Persönlichkeiten!

Mitten unter uns.
Nicht immer gleich als solche erkannt.
Aber doch für uns da.
Manchmal will wirklich niemand diesen Job haben.
Den Ruhm jedoch, ... ja den, ... warum nicht?
Ärger, Sorgen, Verantwortung? Lieber nicht, ... oder? 

Und nun? 

Ab in die Politik ...

"Martin, kannst du dich noch erinnern?"

 

(Dr. Martin Karl Gollner, Obmann der Bürgerlisten Oberösterreich plaudert mit Astrid Miglar) 

 

Martin und ich plaudern. Er wünscht sich, dass ich etwas über ihn schreibe. 

„Du kennst mich“, sagt er. „Du hast Zugang zu mir.“ 

„Ich schreibe nicht über Politiker!“, begegne ich seinem Wunsch, „das können andere besser. Die Beurteilung deiner politischen Arbeit ist außerdem nicht mein Fachgebiet“, füge ich hinzu und bin sicher, dass ich dabei erkennbar die Stirn runzle. Damit will ich mir weitere Erklärungen sparen, bin ich doch nur Geschichtenschreiberin, nicht Journalistin. 

Dachte ich wirklich, das gelingt? Vermutlich. 
Ich habe mich getäuscht. Martin lässt nicht locker. Wieder schüttle ich den Kopf. Energischer dieses Mal. Nicht, dass meine Weigerung irrtümlich übersehen werden könnte. 

„Wenn sich jemand über deinen Werdegang informieren will, darf er sich Internetportale gönnen, und all die anderen Kanäle, die mit deinem Lebenslauf befüllt sind.“ Ich glaube, dass ich an dieser Stelle auch irgendein freches Wort verwendet habe („Lump!“), das Martin ignoriert hat. Er ignoriert auch mein Veto, lässt sich durch meinen Widerstand nicht irritieren, setzt neuerlich an. Ein typischer Charakterzug. Hartnäckigkeit, die man ihm auf jeden Fall zugutehalten kann. Ich könnte es auch Mini-Sturheit nennen, aber Hartnäckigkeit, das weiß ich, klingt charmanter. Und eine gewisse (er wird es nicht mögen, wenn ich das auf diese Weise formuliere), aber eine gewisse Arroganz, die meine Einwände zur Seite schiebt, die besitzt Martin ebenso. Ich bleibe also bei Hartnäckigkeit, murmle aber zumindest, damit ich nicht das Gefühl habe völlig unterzugehen: „Typische Rohrbachgrabensturheit“. 

Wir reden also. Bald wird klar, Martin möchte, dass ich seine Beziehung zur Familie thematisiere. Die Wichtigkeit des Zusammenhalts innerhalb derselben. Natürlich seinen Werdegang, seine Ausbildung, seine Ziele, seine Berufe, die ärztliche Seite, seine politische auch. Seine Energie, wenn es darum geht ein Ziel zu verfolgen, sich zu strukturieren, aber auch festzustellen, dass manches Mal Geduld nötig ist, die nicht immer in ausreichendem Maß vorhanden sein will. Das hätte er gerne in einem Interview dargelegt. 

Wieder schüttle ich den Kopf über sein Ansinnen. Meine eigene Sturheit prallt auf fremde Energie. Ich mach es kurz: Meine Sturheit hat gewonnen. Teilweise zumindest. Ein bisserl. 

„Was ohnehin alle wissen, was bereits nachlesbar ist, zig Mal gehört wurde, ist nicht aufregend.“ Vehement bleibe ich bei diesem Standpunkt, versuche zu überzeugen. 

„Ist es nicht packender eines Menschen Persönlichkeit zu skizzieren, ihn als Charakter zu zeichnen? Ist doch viel spannender, oder?“ 

Martin sagt nichts. Vielleicht schaffe ich es zehn Sekunden die Luft anzuhalten, nichts zu sagen, auf seine Reaktion zu warten? 

Ich schaffe es nicht. 

„So geht das nicht“, verkünde ich daher, „ich brauche Geschichten. Skandale natürlich. Anekdoten. Irgendwelche närrischen Angelegenheiten. Denk doch nach, wie fängt eine Geschichte normalerweise an? Mit Es war einmal… oder mit Kannst du dich noch erinnern? oder auch mit einer Aufforderung: Erzähl mir was, irgendetwas.“ 

„Aber, wir kennen uns seit unserer Kindheit“, hält er mit Bestimmtheit fest, „du kennst mich gut.“ 
„Stimmt nicht“, korrigiere ich ihn, „du bist in Reichraming als Rohrbachgrabler aufgewachsen, ich dagegen lebte bis zu meinem ersten, danach erst wieder ab meinem zwölften Lebensjahr in Reichraming.“ 

„Immerhin hast du deinen Fehler eingesehen, und bist wieder nach Reichraming zurückgekommen. Ich habe dich das erste Mal gesehen, da warst du etwa fünf. Ostern. In der Kirche. Du warst bei deiner Oma.“ 

Der Kerl mir gegenüber bringt mich zum Lachen. Tatsächlich weiß ich nicht, ob er mich gerade pflanzt oder das, was er sagt, ernst meint. Ich jedenfalls kann mich nicht erinnern. 

„Und jetzt erzählst du mir gleich noch, dass du verliebt in mich warst. Du warst aber auch schon ein Großer. Sieben, oder? Vermutlich bin ich dir deswegen aufgefallen, weil mir der Palmbuschen zu schwer war, der gekippt und jemandem in der Reihe vor mir auf den Kopf geknallt ist. Doch nicht etwa dir? Oder habe ich den Apfel, der in den Buschen eingebunden war, angebissen?“ 

Ich bin mir sicher, dass – der gerade herzhaft lachende und längst nicht mehr siebenjährige – Martin eine andere Fünfjährige angehimmelt hat. Das erkläre ich ihm. Und ich erkläre ihm auch, falls die angehimmelte Fünfjährige doch ich gewesen sein sollte, er keinen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen hat. 

„Tut mir leid. Mit siebenjährigen Männern konnte ich damals nichts anfangen. Die waren mir zu kindisch.“ 

Er lacht wieder. Martin lacht gerne. Das ist ansteckend. 

„Konzentration“, mahne ich, und lasse meine Finger über der Tastatur schweben, „los, gib mir was, über das ich schreiben kann!“ 

 

Für mich ist Martin einfach Martin, und nicht Dr. Martin Karl Gollner, bewehrt mit einer Reihe von Funktionen, über die ich ohnehin nur grob Bescheid weiß. Zwar kenne ich Martin nicht seit meiner Kindheit (wie er noch einmal fest behauptet), aber immerhin so gut, dass es mir leichtfällt, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Lange haben wir uns nicht gesehen, weil sich unsere Hauptwohnsitze verändert haben. Meist treffen wir zu Allerheiligen aufeinander. Am Reichraminger Friedhof. Wir plaudern, verabschieden uns, nehmen im darauffolgenden Jahr das Gespräch wieder auf, ganz so, als ob kein Jahr vergangen wäre. (Vermutlich notiert sich Martin Stichworte, um später wieder am alten Diskussionspunkt ansetzen zu können.) 

Ich lebe also immer noch in Reichraming, während sich Martin irgendwann in die weite Welt verabschiedet hat. In die Welt des Studiums, in die der Medizin, in die politische Welt. Aber auch darüber ist bereits viel geschrieben worden. Das Internet kann tatsächlich zu Dr. Martin Karl Gollner befragt werden. Doch für mich ist Martin einfach Martin. Hie und da ist er der Doc, manchmal beschimpfe ich ihn auch ein bisserl. „Halunke, Gauner!“ Spaßeshalber. Schon allein, um zu sehen, wie er darauf reagiert. Das weiß er. Er tut dann, als ob ich nicht frech gewesen wäre, was mich zu Steigerungen veranlasst. „Schurke!“ 

Meist jedoch benehme ich mich. Unterhalte mich. Und so bleibt mir nun nichts übrig, als das zu tun, was ich sonst auch mache: Ich erzähle Geschichten. Vielleicht kann sich Martin daran noch erinnern, wer weiß? 

 

So wie Martin, der das Bundesrealgymnasium in Steyr besuchte, war auch ich wochentags unterwegs zur Schule. Mit der Bahn. Häufig saßen wir morgens in eingeschworenen Gruppen zusammen. Seltener auf dem Nachhauseweg. In Erinnerung blieben mir Fahrten, während derer versucht wurde, mir ein gängiges Kartenspiel beizubringen. Ziemlich erfolglos, aber mit wunderbarer Aussicht darauf, mich vernichtend zu schlagen. Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber seien wir ehrlich, wenn mein Gegenüber Freude daran hat zu gewinnen, dann kann ich auch verlieren. Wunderbar sogar. Und wenn ich ohnehin ständig verliere, dann ist’s doppelt egal. Im Verlieren bin ich auch heute noch grandios. Also: Auch damals kein Grund für Kümmernisse. Mein täglicher Untergang muss jedenfalls erbärmlich gewesen sein, bis sich schließlich zwei Burschen meiner annahmen. Vermutlich konnten sie nicht länger mitansehen, wie ich Partie um Partie verlor. Einer davon war Martin. Und da saß ich nun, umzingelt von Ratgebern, die mir – der ewigen Verliererin – gnadenlos helfen wollten. Mein Gegenüber starrte mit Todesverachtung in sein Blatt. Hatte sich, wenn er nun schon gegen Profis antreten musste, eine Brille aufgesetzt, um sein Pokerface zu wahren. Blöd nur, dass diese Brille eine Spiegelbrille war. Jeder Spielzug daher voraussehbar. Nicht für mich, die schlechteste Spielerin aller Zeiten, die das Spiel einfach nicht begreifen wollte (Schnapsen!). Sehr wohl jedoch für Martin, der mich zu glorreichem Sieg führte. Natürlich war es nicht mein Sieg, aber es war eine herrlich errungene Teamarbeit. 

Martin war also nett zu mir, und diese grundsatzfreundliche Art ist ihm erhalten geblieben. Nett. Manchmal wird nett sein unterschätzt, sogar belächelt, weil „nett, der kleine Bruder von Scheiße“ ist. Nicht, dass andere böse zu mir gewesen wären, aber Martin war mir gegenüber hilfsbereit, aufmerksam in kleinen Dingen. Freundlich liebenswürdig. Wenn er auch sehr hartnäckig sein kann. (Warum er gerade seufzt, ist mir ein Rätsel?!?) 

 

Ich erinnere mich, wieder muss ein Jahr vergangen sein, an einen Nachmittag am Bauernhof beim Reiterer. Reiterer, der Hausname der Landwirtschaft der Gollners. Ich erinnere mich an Martins Mutter, die mir – damals sechzehnjährig und mit dem Mofa unterwegs – Kaffee anbot. Ich habe mich gefreut, bin mir wahnsinnig erwachsen vorgekommen, und durfte dies auch umgehend unter Beweis stellen. Mit Selbstverständlichkeit kippte Martins Mutter ein Stamperl Cognac in meinen Kaffee. Meine anschließende Fahrt nach Hause war spannend (alle strafrechtlichen Konsequenzen meiner dezent alkoholisierten Fahrt sind längst verjährt). Ich jedenfalls wurde damals von Gastfreundlichkeit überrumpelt, die mich heute noch grinsen lässt. Eine perfekte Erinnerung. Ich erzähle Martin vom besonderen Kaffee seiner Mutter. Martin wirkt belustigt, er fragt mich, was ich denn an diesem Tag bei ihm zuhause gemacht hätte, wo er gewesen sei (was ich nun wirklich nicht mehr beantworten kann), sagt dann „Warte!“ und greift zum Handy, ruft seine Mutter an und fragt, ob das, was ich gerade erzählt habe, auch wirklich stimmt. Sie bestätigt meine Erzählung. Nur an den Cognac, als gehaltvolle Kaffeeergänzung, kann sie sich nicht mehr erinnern. 

Ob es damals dem Gollner’schen Standard entsprach, sich einen Cognac in den Kaffee zu gönnen und den Gästen auch? Wer weiß? 

 

Irgendwann, so ist’s im Leben, verloren wir uns aus den Augen. Studium für Martin. Arbeit für mich. Sicher gab es den einen oder anderen Allerheiligentag, an dem wir uns trafen, aber keine Zugfahrten mehr. Dafür bekomme ich eine Erinnerung serviert, die nicht aus meinem Kopf stammt, die mich mit einem bitteren Gefühl versorgt. Von der ich nicht weiß, ob ich sie niederschreiben will. Soll ich davon abraten? 

„Ich möchte darüber nichts schreiben. Ich will das nicht.“ 

Vielleicht liegt es daran, dass ich Martin so nicht sehen will? Vielleicht, weil mir diese Gesinnung nicht gefällt, ich dafür kein Verständnis aufbringe? 

Er insistiert. 

„Schreib“, sagt er, „dieser Abschnitt ist lange vorüber, aber dennoch ein Teil von mir. Etwas, das ich an mir verabscheue.“ 

Martin erzählt. Ich höre zu. Frage nach. Warum ich mich dabei ständig unwohl fühle? Das liegt sicher daran, dass ich diesen Martin nicht kenne. War ich blind? Konnte ich es tatsächlich nicht sehen? 

Martin kämpfte mit einer Anschauung. Erzählt mir, dass ihm der Film Die Welle insofern gefiel, als er fasziniert war, wie leicht Manipulation sei. Anstatt sich abgestoßen zu fühlen, wie es den meisten seiner Mitschüler:innen erging, löste Die Welle bei ihm das Gegenteil aus. 

„Ich erinnere mich gut daran. In der Schule wurde der zweite Weltkrieg thematisiert. Eine Lehrerin beschönigte diese Zeit, gab ihre radikale Anschauung an uns weiter. Sie sagte, was Hitler getan habe, sei nicht nur schlecht gewesen. Er tat auch Gutes. Wusstest du, dass Hitler kurzzeitig ins selbe Gymnasium gegangen ist wie ich?“ 

Martin bemerkt die Trostlosigkeit, die mir ins Gesicht geschrieben steht. Er erkennt, dass ich nicht weiß, wie ich mit dieser Situation umgehen soll, und erzählt weiter. 

„Während meines Studiums in Freiburg (Anm. Freiburg im Breisgau/Deutschland) hatte ich einen jüdischen Zimmernachbarn, der zu einem guten Freund wurde. Yoav zeigte mir, wie man jüdisch kocht, währenddessen haben wir uns unterhalten. Er erzählte mir die Geschichte der Juden, erzählte mir von Israel, darüber, dass jede/r israelische Staatsbürger:in dazu verpflichtet ist, drei Jahre in der Armee zu dienen. Das hat einen Grund, einen traurigen, weil israelische Grenzen niemals ruhig sind, Unruhen herrschen, Raketen abgeschossen werden, immer wieder Krieg droht. Yoav erzählte, dass seine Furcht darin bestünde, erneut vertrieben zu werden, aus dem gelobten Land, das allgemein als Das Land der Israeliten tituliert, aber ihm, als Juden, doch nicht vergönnt wird. Dass Unruhe und Sorge einer Jüdin, eines Juden darin bestehen, kein Land zu haben, das als „mein Land“ bezeichnet werden darf. Der Wunsch einfach nach Hause kommen zu können, zur Ruhe zu kommen, ist tief verankert, dennoch ständig in Gefahr verteidigt werden zu müssen. Etwas, über das wir hier nicht einmal ansatzweise nachdenken, nicht nachdenken müssen, weil Österreich ein schönes und sicheres Heimatland ist. Die Gefühle meines Freundes seinem Land, seinem Zuhause gegenüber, haben mich nicht nur traurig gemacht, sondern auch zum Nachdenken gebracht. Ich verstand, dass meine Gedanken zutiefst falsch waren. Yoav und seine Erzählungen über das Judentum haben mir aus meiner Anschauung herausgeholfen.“ 

Martin weiß, ich bin Atheistin, doch es käme mir nicht in den Sinn, jemandes Glauben in Frage zu stellen, darüber zu spöttelt. Religion ist wertvoll, wenn sie Leben respektiert. 

„Mir ist zu jenem Zeitpunkt etwas bewusstgeworden: Wenn es Menschen gibt, die in Hass aufgehen, dann muss ich eine Lehre daraus ziehen, mich unbedingt verändern, und meine Energie dazu nutzen, um Gutes zu tun.“ 

„Du glaubst an Gott. Hast du zu ihm eine Vorstellung? Wie ist er für dich?“ 

„Gott ist alles. Er ist in allem“, sagt Martin. Für ihn ist meine Frage mit diesen wenigen Worten beendet. Ich finde einerseits, dass ich diese Aussage respektieren sollte, will aber ein bisschen bohren dürfen. Gut, dass mein fragender Blick genügt. 

„Schon mit acht Jahren habe ich zuhause erzählt, dass ich Arzt oder Priester werden will. Weil es aber das weibliche Geschlecht gibt, das mich durchaus interessiert hat, wählte ich schließlich den Arztberuf.“ 

„Ach, du hast also der Verführung nachgegeben. All diese Saras, Hagars, Esters, Judits und Rebekkas haben dich betört. Wie wunderbar“, kommentiere ich, und kassiere ein Schmunzeln. 

„Allerdings habe ich vor einigen Jahren noch einmal intensiv darüber nachgedacht. Der Wunsch Priester zu werden, hat mich etliche Jahre beschäftigt. Es hat sich dann aber nicht ergeben. Wusstest du“, fragt er mich, „dass sich Atheisten meist intensiver mit Religion beschäftigen als Gläubige?“ 

„Möglicherweise, weil sie es schön finden, dass jemand hingebungsvoll glauben kann, wogegen ich eher der Beweistyp bin. Ich will wissen, nicht glauben. Obwohl ich denke, dass sich beides mischen lässt. Aber woher weißt du, dass du dem wahren Glauben folgst?“ 

„Ich kenne viele Religionen, selbst Naturreligionen. Sie sind alle richtig.“ 

(Dieses Statement darf in seiner wunderbaren Schlichtheit einfach so stehen bleiben.) 

 

Am Schluss muss aber auch noch ein wenig Übermut in die Fragerei, also ein paar Fragen noch, … nur ein paar. Ich will das unbedingt wissen, und die Leser:innen sicher auch. 

 

1)     
Welches ist das beste Buch, das du bisher gelesen hast? 

>Jenseits von morgen, sieben utopische Geschichten< von Roger Elwood (1977). 

„Science fiction erfüllt sich häufig. Im Alter von 15 Jahren habe ich das Buch von meinem Firmpaten bekommen.“ 

 

2)     
Was sind Eigenschaften an dir, die andere Menschen verrückt machen? 

„Ich bin sehr konzentriert, konsequent, eloquent.“ 

(Ja, und dann muss ich Martin kitzeln und ihm erklären, dass dies nicht unbedingt schlechte Eigenschaften sind. Er soll mir doch bitte welche nennen. Richtig schlechte. Ich behalte die natürlich für mich, verspreche ich). 

„Ungeduld ist meine Schwäche und Perfektionismus. Ich habe hohe Erwartungshaltungen an mein Gegenüber.“ 

(Meint der jetzt mich, frage ich mich in dem Augenblick, und wirke sicherlich verdutzt). 

 

3)     
Über welches Thema kannst du 30 Minuten unvorbereitet vor Publikum reden? 

„Reden möchte ich 30 Minuten über Gott, Menschen und Politik.“ 

 

4)     
Welche drei historischen Persönlichkeiten würdest du gerne zum Essen einladen? 

„Lenin, Ghandi, Martin Luther King. Es gibt Wiener Schnitzerl, Fritattensuppe und Linzer Schnitte.“ 

(Ghandi wird vermutlich nur die Fritattensuppe essen.) 

 

5)     
Stell dir vor: Eine Woche Stromausfall, natürlich ist auch der Akku deines Handys leer. Was würdest du in dieser Woche machen? 

Ich würde Zeit mit meiner Familie verbringen, mit meiner Frau und meinen drei Töchtern. Gemeinsam essen. Spiele spielen. Freunde besuchen. Haustiere versorgen. Und natürlich würde ich immer noch Arzt sein.“ 

 

„Und welches Foto verwenden wir für …?“ 

Ich falle ihm ins Wort: „Keines mit Kindern und Hunden. Keines, das mit Niedlichkeit hausieren geht. Keines dieser typisch durchgestylten Politikerfotos. Wäääh, pfui, igitt!“ 

„Baronin?“ 

„Ja“, wieder falle ich ihm ins Wort, „deine Hündin darf drauf, wenn sie ein Schriftstück unterzeichnet, dass wir sie über die Datenschutzgrundverordnung aufgeklärt haben, und sie mit einem Foto von der eleganten Schwanzspitze bis zur forschenden Dackelschnauze einverstanden ist.“ 

„Ok, dann nehmen wir das eine Fotos, das du auf Facebook kommentiert hast.“ 

„Welches?“ 

„Das Sommerfoto am Wasser. Du hast geschrieben …“ Er scrollt auf seinem Handy herum, findet meinen Kommentar nicht, kapituliert schließlich. „Irgendwas mit: Wenn ich das geahnt hätte …“ 

„Maaaaartin!“ 

„Nicht?“ 

„Nein, wir machen jetzt ein Foto, das nicht geschniegelt ist. Ein aktuelles, spontanes. Wir nehmen nicht das Badehosenfoto aus den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Wir zeigen die unverschämte, unverhohlene, unerbärmliche Wahrheit. Ok?“ 

„Das heißt erbarmungslos“, sagt er, während ich nach dem Handy greife. 

Brandeilig? 

Immer im Einsatz?

Feuerwehr, eh klar!

Wenn nachts der Alarm losgeht und Frau weiß, ... das ist jetzt nicht das Geräusch meines Weckers.

REICHRAMING: Egal um welche Zeit, auch um kurz nach Mitternacht, dann, wenn es im Bett richtig gemütlich, womöglich das Wetter unwirtlich ist, … wenn das Sirenensignal der Freiwilligen Feuerwehr Reichraming ertönt, dann hoffen die einen, dass keinem Angehörigen etwas geschehen ist, die anderen dagegen drehen sich im Bett um und schlafen weiter.

 

Der Einsatz freiwilliger Helfer:innen, ist ein Teil unserer Gemeinschaft, den wir oftmals als selbstverständlich erachten. Ein menschlicher Wert, der sich nur schwer in Geld beziffern lässt. Wünschenswert wäre, keine Einsatzkräfte zu benötigen, denn dies hieße: „Alles ist gut, nichts ist passiert!“ 

 

Celin Kopeter (19) lebt in Reichraming und arbeitet in Losenstein bei WEBER-HYDRAULIK, einem Hersteller von Hydraulikzylindern, aber auch von Rettungstechnik. An ihrem Arbeitsplatz findet Celin es besonders spannend, die Rettungsgeräte im Rahmen einer Produktschulung auszuprobieren. Da muss auch schon einmal ein Auto dran glauben. Mit Feuereifer, und mit Hilfe von Rettungsscheren wird es in seine Einzelteile zerlegt.

 

Schon als 12jährige war Celin Mitglied der Jugendfeuerwehr. Seit 03.01.2020 ist sie offiziell Feuerwehrfrau in Reichraming, denn seit Hauptbrandinspektor Michael Brunthaler als Kommandant die FF Reichraming leitet, sind auch Frauen bei der Feuerwehr gern gesehen, inzwischen sind sie zu sechst. 

 

Von Null auf Hundert in wenigen Metern.

Alarm: Celin springt aus dem Bett. Die Frisur ist nebensächlich. MakeUp unnötig. Es bleibt ohnehin keine Zeit für Äußerlichkeiten. Der Weg zum Feuerwehrhaus ist schnell zurückgelegt. Es sind weniger als 100 Meter. Vermutlich würde Usain Bolt (ehemaliger Spitzensprinter) den Wettlauf gegen Celin verlieren. Ganz sicher sogar!

„Die Zeit vom Alarmsignal, bis wir tatsächlich mit dem Fahrzeug ausfahren, ist eine kurze. Häufig sind es nur wenige Minuten. Aber ich weiß natürlich – vor allem, weil ich mich selbst schon einmal in einer Unfallsituation befunden habe – dass diese wenigen Minuten einem Verunfallten, der auf die Feuerwehr wartet, wie eine Unendlichkeit vorkommen.“ Celins Mimik wird ernst. „Aber das Schlimmste ist für mich, wenn ich zu einem Einsatzort komme, und das Auto oder dessen Kennzeichen sind mir bekannt, ich also das Unfallfahrzeug als das eines Verwandten, einer Freundin oder eines Freundes erkenne, und noch nicht weiß, was vorgefallen ist, wie es dem Verunfallten geht.“

 

Celin fühlt sich in der Feuerwehrgemeinschaft so gut aufgehoben, als wäre sie ein Teil ihrer eigenen Familie. 

„In Corona-Zeiten gab es keine Aussicht auf Übungen. Jetzt jedoch sind Gruppenübungen, Hauptübungen, Lehrgänge wieder möglich, denn es braucht ständiges Training und viele Stunden, um Geräte richtig bedienen zu können, auch um die Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. Außerdem“, sagt Celin, „ist es schön die Kolleginnen und Kollegen wieder zu treffen. Darauf freue ich mich immer.“

 

Grüße von der Feuerwehr Reichraming, die immer für uns da ist, wenn wir in Not sind, … bei jedem Wetter, … zu jeder Zeit, … 365 Tage im Jahr!

 

„Danke!“ PowerFrau Celin Kopeter, Feuerwehrfrau in Reichraming, dass du dir für ein Gespräch Zeit genommen hast.

 
https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/miglars-wuerziger-wortwechsel;art68,3405845